What’s more valuable: education or life lessons?

Was ist wertvoller: Bildung oder Lebenserfahrung?

Bisher fühlt sich 2020 wie ein Jahr an, in dem wir uns einige der schwierigsten Fragen des Lebens stellen: Wir überdenken unser Verhalten, unsere Überzeugungen und die Systeme, die uns als Gesellschaft prägen und binden. Ein System, über das viel diskutiert wird, ist das Bildungssystem – wegen der jüngsten Ereignisse hier in Großbritannien, nämlich dem Aufruhr um A-Level- und GCSE-Ergebnisse, die von Computeralgorithmen festgelegt wurden –, seit Schulen und Colleges nach dem Ausbruch von COVID-19 Anfang des Jahres geschlossen wurden.

Der Skandal führte dazu, dass Schüler*innen aus vergleichsweise benachteiligten Verhältnissen aktiv von ihren prognostizierten Noten heruntergestuft wurden, während ihre Mitschüler*innen aus angesehenen Privatschulen im Schnitt deutlich bessere Noten bekamen. Das bedeutete, dass viele, die staatliche Colleges besuchen, wertvolle Zusagen von Universitäten verpassten und mit einer Wolke der Ungewissheit über ihrer Zukunft zurückblieben.

Dazu kam die Erfahrung von Betreuungspersonen im Lockdown – die anstelle eines „klassischen“ Schulalltags als Vollzeit-Lehrkräfte einsprangen. So fingen Gespräche darüber an zu brodeln, was der Lehrplan wert ist im Vergleich zum Nutzen von Lebenserfahrung. Viele Familien bekamen von ihren Schulen Module und Arbeitshefte, die sie statt Unterricht im Klassenzimmer bearbeiten sollten, aber wie funktioniert das in der Praxis, wenn die Hauptbezugsperson(en) deiner Kinder wenig oder gar keine Erfahrung damit haben, den Lehrplan zu vermitteln?

Manche Eltern beschlossen, das Arbeitsheft wegzuwerfen (im übertragenen und im wörtlichen Sinn!), um auf ihre eigene Weise und in ihrer eigenen Zeit zu unterrichten. Wir haben von einem Elternteil gehört, das sich dafür entschied, seinen Kindern praktische Alltagsfähigkeiten beizubringen, vom Wechseln einer Sicherung bis zum Austauschen des Steckers. Ein anderes verwandelte die Küche in ein Restaurant und brachte den Kindern Lesen, Schreiben und Mathe bei, indem sie die Speisekarte für das Abendessen schreiben und die Kosten jeder Mahlzeit ausrechnen mussten!

So viel Anpassungsfähigkeit und Kreativität sind großartig, aber sie sind mit Kosten verbunden – sowohl finanziell als auch zeitlich –, die sich manche Familien schwerer leisten können, wenn wir aus dem Lockdown herauskommen und die vertraute Routine aus Arbeit und Schule wieder losgeht. Wie können wir diesen Schwung also beibehalten, wenn wir unsere Liebsten zurück in die Schule begleiten? Uns haben die Erfahrungen berührt, die einige von euch in unserer Instagram-Debatte geteilt habt: Ihr habt beschrieben, wie es ist, heute Lehrer*in zu sein, und echte Veränderungen in unserem aktuellen National Curriculum gefordert. Steffie (@sfh_iow) meinte, dass unser Lehrplan veraltet und unfair ist, besonders in Bezug auf die altersbezogenen Erwartungen – sie legen fest, was von Schüler*innen in einem bestimmten Alter oder einer bestimmten Jahrgangsstufe erwartet wird. Das ist schon an sich problematisch, weil es davon ausgeht, dass alle Schüler*innen dieselben Dinge auf dieselbe Weise im selben Tempo lernen können. Wir nennen uns aus gutem Grund „Individuen“: Wir sind einzeln, eigenständig und erleben unsere Welt auf eine Art, die einzigartig für uns ist. Wie kann also ein starrer, standardisierter Lehrplan allen gleichermaßen gerecht werden? In Wirklichkeit gar nicht.

Manche von euch haben uns wirklich zum Grübeln gebracht, als ihr darauf hingewiesen habt, dass es kein fairer Vergleich ist, zu diskutieren, ob Schule wertvoller ist als Lebenserfahrung (danke, dass du deine Sicht mit uns geteilt hast, @katibear10!). Schließlich kannst du in der Schule viele Dinge lernen und im Leben viele andere – beide Erfahrungen sind einzigartig und bieten deshalb einzigartige und gleich wichtige Lektionen!

Vielleicht müssen wir also einen Kompromiss finden. Gibt es einen Weg, die Erfahrungslücke zwischen Schule und Leben zu überbrücken, sodass wir der nächsten Generation von Macher*innen neben Lesen, Schreiben, Rechnen und allem dazwischen auch praktische Lebenskompetenzen beibringen? Können wir unseren Lehrplan so umgestalten, dass Kinder schon früh lernen, wie wichtig es ist, auf ihre mentale Gesundheit zu achten, wie man mit Finanzen umgeht und, vielleicht am wichtigsten in unserer immer herausfordernden Welt, wie man freundlich ist?

Wenn Lernen „nicht das Füllen eines Eimers ist, sondern das Entfachen eines Feuers“ (ein riesiges Dankeschön an @nomadlady24 fürs Teilen dieses wunderschönen Zitats) – dann sollten wir vielleicht darüber nachdenken, was dieses Feuer sein könnte, statt darüber, wo es geschürt wird. Auf allen Ebenen der Bildung hoffen wir als Lehrende und Führungspersonen, dass unsere Schüler*innen Ideen, Themen und Herausforderungen finden, die diese Flamme entzünden. Vielleicht geht es in der Bildung also darum, diese Flamme zu nähren – egal, ob sie im Klassenzimmer oder in der großen, weiten Welt entfacht wird.

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