FARBSTOFFE – Kostet Farbe die Erde zu viel?
Wir haben bald ein paar superspannende Tie-Dye-Schätze für dich am Start – als Teil einer wunderbaren Kollektion mit We Are Hairy People, und wir hatten schon vorher eine kleine Schwäche für Tie Dye in unseren Produkten. Tie Dye feiert ein riesiges Comeback, aber dieser Trend wirft auch ein paar Fragen zu potenziell schädlichen Substanzen auf – nicht nur beim Batiken, sondern in der gesamten Textilfärbeindustrie.
Farbe ist ein riesiger Teil der Modeindustrie – auch hier bei Lucy & Yak! Wir lieben es, lustige, farbenfrohe Kleidung zu machen. Aber um welchen Preis bekommen wir diese traumhaften Farben?
Schätzungsweise 8.000 synthetische Chemikalien werden verwendet, um unsere Kleidung zu bleichen, zu behandeln und aufzuhellen. Die gängigsten und herkömmlichen Farbstoffe können Chemikalien und Schwermetalle wie Eisen, Kupfer und Chrom enthalten, die in Gewässer gelangen und die Gesundheit der Menschen schädigen. Azofarbstoffe, die 60 - 70 % aller Farbstoffe in der Branche ausmachen, sind für intensive Farbtöne verantwortlich, besonders für knallige Rottöne. Aber wenn sie abgebaut werden, sind sie nachweislich krebserregend.

Foto: Business Insider / Stringer / Reuters
Das ist ein echtes Gesundheitsrisiko für die Menschen, die an der Herstellung der Farbstoffe und Stoffe beteiligt sind, da sie diesen Chemikalien direkt ausgesetzt sind – aber auch die gesamten Gemeinden vor Ort bekommen die Folgen zu spüren. Schätzungen zufolge sind 90 Prozent des lokalen Grundwassers in China verschmutzt, und die Weltbank schätzt, dass 20 % der Süßwasserverschmutzung auf die Textilbehandlung und das Färben zurückzuführen sind.
In Gebieten, in denen Textilien gefärbt werden, haben ganze Flüsse durch die giftigen Chemikalien ihre Farbe verändert – mit verheerenden Folgen. Die Auswirkungen sind weitreichend und langanhaltend – chemische Farbstoffe sind so gemacht, dass sie Licht und Hitze standhalten, und können lange in der Umwelt bleiben. Zum Beispiel beträgt die Halbwertszeit von hydrolysiertem Reactive Blue 19 etwa 46 Jahre.
Ähnlich sieht es in Indonesien aus: Der Citarum (oft als der am stärksten verschmutzte Fluss der Welt bezeichnet) ist die Müllkippe für viele chemische Abfälle der Textilfabriken, die sich an seinen Ufern aneinanderreihen – obwohl schätzungsweise zwischen 28 und 35 Millionen Menschen auf das Wasser des Flusses angewiesen sind. Anwohner*innen berichten, dass der Fluss täglich seine Farbe wechselt, je nachdem, was gerade der neueste Farbtrend ist. Das Wasser wird mit erhöhten Krebsraten, Hautkrankheiten und verlangsamter geistiger Entwicklung bei Kindern in Verbindung gebracht, aber die Menschen haben oft keine andere Wahl, als es zu nutzen.

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Sie sind eine Bedrohung für menschliches Leben und genauso schädlich für die Natur – Farbstoffe und Chemikalien, die in Gewässer gelangen, blockieren das Sonnenlicht und zerstören die Ökosysteme darin. Die Auswirkungen giftiger Farbstoffe zeigen sich sogar am Ende des Lebenszyklus eines Kleidungsstücks – der synthetische Farbstoff verhindert nämlich, dass der Stoff biologisch abgebaut wird, und beim Entsorgen können weitere Chemikalien zurück in die Gewässer sickern.
Ab 2017 ging die chinesische Regierung verstärkt gegen zehntausende Fabriken vor, die synthetische Farbstoffe herstellen. Sie mussten schließen und Umweltprüfungen durchlaufen. In Indonesien hat Präsident Joko Widodo eine riesige Kampagne gestartet, die zum Ziel hat, das Wasser im Flussbecken bis 2025 trinkbar zu machen.
Aber es ist noch ein langer Weg, bis wir nicht mehr auf giftige Chemikalien angewiesen sind, um unsere Kleidung zu färben.
Wir wollen unseren Einfluss wo immer möglich minimieren und suchen ständig nach Wegen, uns zu verbessern. Die Farbstoffe, die wir verwenden, sind als Low Impact zertifiziert, genauer gesagt sind sie Oeko-Tex-geprüft. Oeko-Tex legt strenge Kriterien für die Auswirkungen auf Mensch UND Umwelt in allen Bereichen der Textilproduktion fest – von Garnen und Vorbehandlungen bis hin zu Farbstoffen und Veredelungschemikalien. Zertifizierte Stoffe wurden getestet und als frei von schädlichen Mengen von mehr als 100 Substanzen zertifiziert, die bekanntermaßen gesundheitsschädlich sind.
Wir freuen uns außerdem riesig, dass wir gerade ein paar wunderschöne Teile mit Pflanzenfarben entwickeln, über die wir bald mehr verraten! Pflanzenfarben sind eine tolle Alternative zu herkömmlichen Farbstoffen, kommen ohne Chemikalien aus und können aus Wurzeln, Beeren, Rinde, Blättern und Holz gewonnen werden.
Sie können aufwendiger in der Pflege sein, und manche Farben können schneller verblassen als bei herkömmlichen Farbstoffen. Auch wenn (derzeit) nur eine begrenzte Anzahl an Farben verfügbar ist, werden Pflanzenfarben oft aus Abfällen der Lebensmittelindustrie gewonnen – perfekt für alle, die wenig oder gar keinen Müll produzieren wollen!
Der Umgang mit Pflanzenfarben ist für alle, die an der Herstellung beteiligt sind, viel besser, da keine schädlichen, von Menschen gemachten Chemikalien enthalten sind. Das bedeutet auch, dass Pflanzenfarben den biologischen Abbau des Stoffes am Ende seiner natürlichen Lebensdauer nicht beeinträchtigen.
Es tut sich also einiges Gutes, und es gibt immer mehr Alternativen. Ein Biotech-Unternehmen aus San Francisco ist Vorreiter bei natürlichen Farbstoffen: Es verändert Bakterien gentechnisch so, dass sie nachahmen, wie die japanische Indigopflanze (verantwortlich für die frühen Tiefblautöne und die originalen Jeans) ihre Farbe herstellt und hält. Colorifix wandelt Melasse, ein Nebenprodukt von Zucker, in Farbmittel um, die zum Färben von Textilien verwendet werden können. Und Unternehmen wie ColorZen und AirDye führen neue Methoden zum Färben von Stoffen ein und verringern die mit dem Färben verbundene Wasserverschwendung.
Es gibt viele Menschen, die den Weg für Farbstoffe ebnen, die nicht die Erde kosten – aber was können wir als Einzelne tun?
Selbstgemachtes Färben zu Hause und die industrielle Textilherstellung finden in ganz unterschiedlichen Größenordnungen statt. Achte bei der Wahl von Farbstoffen auf genaue Informationen zu ihrer Chemie, Verarbeitung und Entsorgung.
Websites wie allnaturaldyeing.com haben hilfreiche Infos, wenn du ein Teil auf natürliche Weise färben möchtest.
Wir haben außerdem ein tolles Tutorial auf unserem IGTV mit Sarah von WAHP, das dir zeigt, wie du deiner Kleidung mit natürlichen Haushaltsfarben ein Update verpasst.
Natürliches Upcycling, der Kauf von Second-Hand-Kleidung, die Suche nach nachhaltigen Marken und sogar schon ein bisschen mehr Bewusstsein bringen schon eine ganze Menge.
Achte bei Stoffen – von Kleidung bis Bettwäsche – auf das Oeko-Tex-Label. Es ist ein guter Hinweis darauf, dass die schöne Farbe des Teils nicht auf Kosten der Erde oder der Menschen darauf entstanden ist.
